Phœnix

«Bruchlinien – Carte Blanche für Lars Mlekusch»

Das Ensemble Phoenix Basel widmet sich in diesem Programm drei Werken, die auf unterschiedliche Weise von Reibung, Widerstand und Verletzlichkeit erzählen. Zara Ali, Laura Bowler und Hannah Kendall entwerfen Klangräume, in denen sich technologische Systeme, körperliche Grenzerfahrungen und gesellschaftliche Spannungen überlagern. Was diese Werke verbindet, ist eine Musik, die nicht beruhigt, sondern herausfordert. Sie handelt von Druck und Überforderung, von Ausgrenzung und Zugehörigkeit und von der Frage, wie Vergangenheit unsere Gegenwart prägt.

Zara Alis «Isolation Forest» ist von einem Algorithmus zur Anomalie-Erkennung inspiriert. Aus dichten mikrotonalen Klangfeldern treten einzelne Instrumente als Abweichungen hervor, lösen sich vom Kollektiv und werden wieder in dieses integriert. So entsteht eine Klangwelt zwischen mathematischer Ordnung und organischer Bewegung, die Fragen nach Zugehörigkeit und Isolation aufwirft.

Hannah Kendalls «Even Sweetness can scratch the throat» bezieht seinen Titel auf ein Gedicht von Ocean Vuong und verweist auf die doppelte Bedeutung des Zuckers: Er steht für süssen Genuss, ist aber zugleich mit der schmerzlichen Geschichte von Kolonialismus und Ausbeutung verbunden. Kendall übersetzt diese Ambivalenz in eine vielschichtige Musik.

Im Zentrum des Programms steht Laura Bowler als Komponistin und Solistin mit ihrem Werk «fff». Aus emotionalen Zuständen wie Wut, Frustration und Erschöpfung entwickelt sich eine musikalische und körperliche Grenzerfahrung. Die Stimme wird immer intensiver, die Energie immer unmittelbarer, bis der Ausdruck in einen existenziellen Schrei mündet. Bowler überschreitet dabei die Grenzen zwischen Komposition, Performance und Musiktheater.

Für Lars Mlekusch, der die Uraufführung von «fff» 2017 am Huddersfield Contemporary Music Festival dirigierte, bedeutet diese Aufführung zugleich eine persönliche Wiederbegegnung mit einem Schlüsselwerk Laura Bowlers.

Gemeinsam entfalten die drei Werke ein Panorama zeitgenössischen Komponierens, das technologische, gesellschaftliche und historische Verflechtungen hörbar macht und dabei ebenso präzise wie unmittelbar wirkt. (Lars Mlekusch)


Programm

Zara Ali (*1995) «Isolation Forest» für grosses Ensemble und Elektronik (2023) – 18’ Hannah Kendall (*1984) «Even sweetness can scratch the throat» für Ensemble (2023) – 12’ Laura Bowler (*1986) «fff» für Stimme und 8-köpfiges Ensemble mit Live- und vorproduzierter Elektronik und Video (2023) – 27’
Laura Bowler
Stimme
Ensemble Phoenix Basel
Lars Mlekusch
Musikalische Leitung