«Mikropolyphonie»
Der Titel dieses Programms «Mikropolyphonie» wurde vom ungarisch-österreichischen Komponisten György Ligeti geprägt. Der Begriff beschreibt eine Kompositionstechnik, bei der eine Vielzahl von Stimmen (oft 20 oder mehr) so dicht und engmaschig miteinander verwoben wird, dass die einzelnen Linien für den Hörer nicht mehr als Melodien wahrnehmbar sind. Im Falle eines Klavierduos sind natürlich die Möglichkeiten begrenzt, aber Ligeti schafft (im 3. Satz) durch die sich überlagernden schnellen Zweiunddreissigstel-Läufen im Klangbad des Tonhaltepedals die Illusion eines sich ständig ausdehnenden und sich verändernden «Klangclusters» zu erzeugen, der sich wie ein lebendiger Organismus langsam ausdehnt, zusammenzieht, heller oder dunkler wird. Der zweite Satz ist eine klingende, humorvolle Hommage an die Väter der US-amerikanischen Minimal Music Steve Reich und Terry Riley.
Der französische Komponist Christophe Bertrand nutzt in seinem Sextett «Satka» repetitive, ineinander verschobene Klangmuster und Phasenverschiebungen, die stark an Steve Reichs Minimal Music und an György Ligetis Mikropolyphonie erinnern.
«Die schwache Wechselwirkung spielt eine wichtige Rolle bei der Proton-Proton-Reaktion, mit der in der Sonne Wasserstoff zu Helium umgewandelt wird. Die bei diesem Prozess freigesetzte Energie ist die Grundlage der die Erde erreichenden Sonnenstrahlung.» (G. F. H.)
Typisch für Georg Friedrich Haas erforscht das Stück die mikrotonale Innenwelt der Klänge und übersetzt dieses unsichtbare, aber lebensspendende physikalische Phänomen in ein hochsensibles, hypnotisches Klanggewebe. Das Werk wurde 2024 vom israelischen «Meitar Ensemble» in Auftrag gegeben und 2025 unter der Leitung von Pierre-André Valade beim Festival «Ultraschall Berlin» uraufgeführt.
Der deutsche Geiger und Komponist Friedemann Treiber ist unser «Konzertmeister» und verehrt wie sein ehemaliger Lehrer Hansheinz Schneeberger die Musik von Alban Berg. Seine autonome Klangsprache ist inspiriert durch die Musik der Zweiten Wiener Schule und bewegt sich zwischen Dodekaphonie, begrenzter Aleatorik sowie freier Tonalität und Atonalität, stets getragen von einem starken emotionalen Ausdruckswillen.
Programm
- Kirill Zvegintsov
- Klavier
- Ensemble Phoenix Basel
- Jürg Henneberger
- Musikalische Leitung, Klavier