«Nord!»
Das Werk «UR» für 5 Instrumente und Live-Elektronik des finnischen Komponisten Magnus Lindberg ist das kammermusikalische Schwesterwerk des brachialen Orchesterwerks «Kraft» und verbindet die dichte, von Punkrock und Spektralismus inspirierte Energie des frühen Lindberg mit präzise gesteuerter, elektronischer Klangmanipulation. Rhythmen, Akkordketten und harmonische Prozesse wurden mithilfe von mathematischen Berechnungen und der Programmiersprache «LeLisp» generiert. Der Titel «UR» verweist sowohl auf die antike sumerische Stadt Ur als auch auf das im Deutschen und Schwedischen gebräuchliche Präfix für etwas Extremes, Ursprüngliches oder Primitives. Ausserdem bedeutet das Wort «ur» im Schwedischen «Uhr» oder «Sturm».
In Anlehnung an Peter Maxwell Davies’ «Eight Songs for a Mad King» als inspirierende Vorlage für die Kompositionsform greift «over the threshold; right foot» des Norwegischen Komponisten Tze Yeung Ho auf alte chinesische Gedichte über Hofdamen verschiedener Dynastien zurück. Jeder Text konzentriert sich auf die Beziehung zwischen einem Papagei und demjenigen, der zu ihm spricht, da der Besitz eines Papageis ein Symbol für höfische Einsamkeit ist, da der Vogel die an ihn gerichteten Gedanken nachplappern würde.
Die Musik von «Enigma» der isländischen Komponistin Anna Thorvaldsdottir ist vom Begriff des «Dazwischen» inspiriert und stellt Fluss und Fragmentierung einander gegenüber. Pulsierende Stasis – das «Ganze», ein sich ausdehnendes und zusammenziehendes Fundament – steht im Kontrast zu fragmentierten Elementen – Schatten von Dingen, die als Teil des Ganzen existieren. Harmonien entstehen und verflüchtigen sich oder zerfallen auf verschiedene Weise, hinterlassen Spuren von Elementen, die sich durch unterschiedliche Texturen und Nuancen projizieren und allmählich eine eigene Form annehmen. Einige kehren zum Kern zurück, andere bleiben getrennt. Im Verlauf des Stücks wechselt die Perspektive ständig zwischen den beiden – dem Fundament und den fragmentierten Schatten –, doch im Mittelpunkt steht stets ihre Beziehung – das «Dazwischen».
Ein Programm, das durch musiktheatralische und elektronische Mittel die Grenzen der «absoluten Neuen Musik» zu sprengen.
Programm
- N.N.
- Kontratenor
- Ensemble Phoenix Basel
- Jürg Henneberger
- Musikalische Leitung